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Enges Tal von Steilhängen umrahmt

Erlbacher Ortsteil Landesgemeinde für Naturschönheit bekannt - Erste Bewohner wollten zu Klingenthal gehören


Der Hintere Floßteich im Landesgemeindetal wurde bereits 1581 angelegt. Nach dem Ende der Flößerei als Wiese genutzt, ist das Gewässer seit 1922 wieder angestaut.

Erlbach. Ein knapp vier Kilometer langes Teilstück des grenzüberschreitenden Lehrpfades "Natur live erleben" der Gemeinde Erlbach führt durch das Tal der Landesgemeinde. Knapp eine Stunde braucht man für die Wanderung.

Der Bach, der sich durch das Tal der Landesgemeinde schlängelt, trug in der Vergangenheit mehrere Namen. Erstmals ist er 1122 als Alestra minor (Kleine Elster) erwähnt, nach 1500 wurde er Flößbach genannt, heute hat sich die Bezeichnung Schwarzbach durchgesetzt.

Das Tal mit seinen steilen Hängen, die sich bis zu 250 Meter hoch ziehen wird eingerahmt vom Hohen Brand (805 Meter), dem Gemeinberg (776 Meter) sowie auf böhmischer Seite dem Kegel- (780 Meter) und Ursprungberg (818 Meter). Ein zehn Hektar großes Areal mit Buchen steht unter Naturschutz.

Das Waldholz in der Landesgemeinde stand den Bewohnern der Region in Notzeiten zur Verfügung, wie der Historiker Erich Wild aus Markneukirchen in einer Urkunde von 1542 fand. Amtsmann Leonhard Engelschall auf Schloss Voigtsberg und der Richter von Neukirchen, wie Markneukirchen damals noch hieß, waren zum Ausstellen entsprechender Anweisungen berechtigt. Der Name Gemeinberg erinnert heute noch daran, dass die Waldbestände gemeinsamer Besitz der Erlbacher Bauern waren. Flurnamen wie Ascherloh und Pechbrunnen erinnern an ehemalige Standorte von Meilern und Pechhütten.

Die gemeinnützige Nutzung endete, als der sächsische Kurfürst August den Wald in seinen Besitz brachte. Er gab das Schlagen des Holzes in Auftrag. Für das Flößen 1581 wurde der Hintere, bald darauf der Vordere Floßteich angestaut. Die alte Zapfanlage des Vorderen Floßteiches ist heute eines der Exponate des in Deutsch und Tschechisch ausgeschilderten Lehrpfades. Die auf dem Teichdamm ausgestellte Konstruktion stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde damals aus etwa 200 Jahre alten Tannen gefertigt.

Erster Siedler der Landesgemeinde war um 1661 der Förster Georg Weller. Seinen Namen findet man an der Tafel, die der Erlbacher Ortschronist Helmuth Eßbach am Gebäude des Kinderheimes Tannenmühle angebracht hat. 1666 wurde das Gebäude als Sägemühle errichtet, 1788 wird es als Papier-, 1850 schließlich als Pappemühle erwähnt. Bis 1915 wurde dort Knochenmehl hergestellt. Seit 1921 wird der Komplex als Kinderheim genutzt.

Seit 1908 ist Landesgemeinde ein Ortsteil von Erlbach. Zuvor gehörte es mehr als 200 Jahrhunderte zum Kirchspiel Klingenthal. Johann Weller, wie sein Vater Georg als Förster tätig, hatte diesen Wunsch 1685 vorgebracht, wie einem Brief des damaligen Klingenthaler Pfarrers Friedrich Barth zu entnehmen ist. Gegen Wellers Wunsch gab es heftige Proteste von Pfarrer Poßner aus Landwüst, da Landesgemeinde näher an Erlbach lag, das damals zum Kirchspiel Landwüst gehörte. 13 Jahre lang wurde darüber beraten, am 16. Februar 1698 traf das Konsistorium zu Leipzig die Entscheidung für Klingenthal.

1837 zählte Landesgemeinde fünf Häuser mit 26 Einwohnern. Acht waren Schulkinder, die zum Unterricht nach Gopplasgrün gingen. Bei der Volkszählung 1861 waren es 41Einwohner in sechs Haushalten. Neben der Papiermühle gab es einen Geigenmacher und einen Weber, zwei Waldarbeiter und einen so genannten Handarbeiter, wahrscheinlich war es ein Fuhrmann. Einziges öffentliches Gebäude war das Forsthaus.

Das Landesgemeindetal könnte ein Beispiel dafür werden, wie man Geschichte bewahren und gleichzeitig in die Zukunft investieren kann. Derzeit wird der Skilift am Kegelberg erweitert. Knapp eine Million Euro steckt die Gemeinde in den Ausbau des Gebietes, in dem der Wintersportverein Erlbach 1932 das erste Abfahrtsrennen austrug.

Von Thorald Meisel


Erschienen am 03.08.2007




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