Yoga Beim Gyrokinesis-Training verbinden sich Bewegungskonzepte so unterschiedlicher Bereiche wie Yoga, Tanz, Turnen, Schwimmen und Tai Chi.

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Gyrokinesis schafft neues Körperbewusstsein

Beim Training verbinden sich Yoga, Tanz, Turnen, Schwimmen und Tai Chi - Wirbelsäule bildet physisches Epizentrum - Starke Tiefenwirkung

München. Wann kann man von einem Fitnesstrend sprechen? Ein untrügliches Zeichen für wachsende Popularität ist es, wenn Günther Jauch sich der Sache annimmt. Gyrokinesis hat es immerhin schon zur 64.000-Euro-Frage bei "Wer wird Millionär?" geschafft. Und siehe da, die Kandidatin wusste, dass es sich nicht um einen griechischen Snack, sondern um ein mit Yoga verwandtes Trainingskonzept handelte. Absolventen eines humanistischen Gymnasiums hätten noch hinzugefügt, dass sich der Begriff vom Griechischen "Gyros", übersetzt der Kreis, und "Kinesis", das ist die Bewegung, herleitet.

Wer glaubt, dass es sich hier um eine Disziplin mit historischen Wurzeln handelt, irrt: Gyrokinesis ist verglichen mit Kundalini-Yoga, Tai Chi oder Pilates ein recht junger Workout und kommt aus dem gelobten Land von Wellness & Fitness, den USA. Das prägnanteste Erkennungsmerkmal sind die fließenden, dynamischen Bewegungen, die kaum statisch gehaltene Körperstellungen zulassen und physische Verspannungen so vermeiden können, denn harmonische und rhythmische Bewegungen sind der natürliche Feind der Blockade.

Yoga für Tänzer

Gyrokinesis wurde eigentlich aus der Not geboren: Juliu Horvath, ein klassischer Tänzer ungarisch-rumänischer Herkunft, emigrierte 1970 in die USA. Nach einer schweren Wirbelsäulenverletzung musste er seine Karriere abbrechen. Horvath mutierte daraufhin zu einem kreativen Fitnesstüftler und verarbeitete seine Erfahrungen aus Tanz und Sport zu einem Bewegungssystem der neuen Dimension, das er ursprünglich unter dem Namen "Yoga for Dancers" lancierte und in New York zu unterrichten begann. Doch nicht nur Tänzer profitierten vom neuen Trainingskonzept, Gyrokinesis wurde als Sport- und Reha-Disziplin quasi massentauglich für Bewegungsmuffel, für Reha-Kandidaten und selbst für Profisportler.

Die Kraft der Mitte

Gyrokinesis ist gewissermaßen eine zutiefst dialektische Trainingsform. Das merkt man, wenn man dem Trainer Sebastian Lehner in seinem Münchner Studio gegenübersitzt und er über die essenziellen Bewegungen der Wirbelsäule referiert. Gyrokinesis lebt von der richtig dosierten Anstrengung, soll zugleich auch der Entspannung dienen. Die richtige Atmung macht die Bewegung, die richtige Bewegung sorgt aber auch für die optimale Atmung. Ausatmen schafft auf der einen Seite die Stabilität im Körper, während das Einatmen "öffnet" und damit eine Art Instabilität herstellt. Alles hängt eben irgendwie zusammen: "Von der Körpermitte", sagt Lehner, "geht alles aus." Die Wirbelsäule ist sozusagen das physische Epizentrum. Sie ist immer in Bewegung und wird durch beugende, streckende, kreisende und spiralförmige Bewegungen mobilisiert. "Alles steht eben in einer ganzkörperlichen Verbindung." Natürlich gibt es spezielle Übungen für Beine, Rücken, Bauch und Oberkörper, doch nie wird ein einzelner Körperteil isoliert trainiert. Alle Übungen beschäftigen den Körper komplett. Manchmal kämen Kunden mit ganz konkreten Zielen, möchten den Po straffen oder den Bizeps modellieren. Nach einigen Workouts spüren sie, dass das hier eher sekundäre Fitnessziele sind. Bei Gyrokinesis geht es ums große Ganze, und dazu gehört auch das Gefühl für ein neues positives Körperbewusstsein, Po und Bizeps werden nebenher ganz automatisch schöner.

Mehr Body-Power

Beim Training verbinden sich Bewegungskonzepte so unterschiedlicher Bereiche wie Yoga, Tanz, Turnen, Schwimmen und Tai Chi. Vielleicht ist deshalb auch die Nutzen-Liste von Gyrokinesis so lang. Bei regelmäßiger Mobilisierung der Wirbelsäule werden Stress und Verspannungen in der Muskulatur abgebaut, Rückenschmerzen lassen sich therapieren und es lässt sich ihnen auch vorbeugen. Kraft, Beweglichkeit und Koordination werden verbessert. Gyrokinesis geht auch in die Tiefe: Viele Muskelverbindungen bilden sich neu. Fehlhaltungen werden vermieden. Mehr noch: Das Training der tiefer liegenden Muskulatur hat sichtbar aufbauende Wirkung. Das Resultat: gute Haltung, schöne Figur, straffe Haut.

Die Ausstattung beim Gyrokinesis-Training ist ziemlich spartanisch: Hocker und Bodenmatte genügen, ein Teil der Übungen wird im Stehen absolviert. Zum Grundkanon von Gyrokinesis gehören die Bewegungen der Wirbelsäule, die sich Arch, Curl, Spiral, Twist und Wave nennen und immer wieder variiert werden. Die gängigen Gyrokinesis-Studios bieten Einzel- wie Gruppenunterricht an. Zweimal pro Woche Training ist optimal. Die Einheiten dauern in der Regel zwischen 75 und 90 Minuten.

Mini-Schnupperkurs

Die Klassiker sind Arch and Curl - das harmonisch-dynamische Beugen und Strecken der Wirbelsäule.

So geht es: sich aufrecht auf einen Hocker setzen, das Gewicht ist auf den Sitzknochen. Die Beine sind leicht gespreizt und bilden einen 90-Grad-Winkel. Die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln. Die Bewegung: Beim Einatmen verschränken sich die Hände im Nacken. Auch die Ellbogen ziehen nach oben und der Blick geht in Richtung Decke. Die Brust wird nach oben "geöffnet". Der Oberkörper ist nun gebeugt wie ein Bogen (Arch) und die Wirbelsäule maximal aufgerichtet. Tief ausatmen und den gestreckten Rücken nach hinten wölben (Curl). Dabei wird der Bauchnabel nach "innen gezogen", sodass die Wirbelsäule maximal in die andere Richtung gebogen wird. Die Bewegung beendet man, indem der gesamte Rücken, Wirbel für Wirbel, über dem Sitzknochen aufgerichtet wird.

 
erschienen am 15.06.2009 (Von Martin Vogelsang)
 
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