Wilder Jäger erschießt Waldgeist

Ein junger Bursche aus dem thüringischen Wilhelmsdorf saß an einem dunklen Winterabend mit seiner Familie am Tisch, als plötzlich die Türe aufflog und ein Moosweibl mit Geheul und Geschrei in das Zimmer trat. Es rang jämmerlich mit den Händen und rief schmerzvoll weinend aus: "Huhu, der wilde Jäger hat mein Männel erschossen!" Alle erschraken. Der Hausvater fragte: "Warum denn, was hat es denn getan? Da seid ihr schuld dran!", meinte das weinende Moosweibl. "Ihr habt heute wieder von einem Bäumchen die Äste und die Rinde abgemacht. Da muss jedesmal eines von uns sterben. Huhu! Tut's nicht wieder."

Dann ging das Weibl in der Stube herum und jeder Anwesende musste ihm die Hand darauf geben, dass das nicht wieder geschieht. Danach bekam es von der Hausfrau einen Teller voll Sauerkraut und ein Stück Brot. Das nahm das Moosweibl, kroch damit hinter den Ofen und aß alles auf. Das Weibl blieb die ganze Nacht über hinter dem Ofen sitzen. Am Morgen, als die Familie wieder in die Stube kam, war die Frau verschwunden.

 
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Artikel weiter empfehlen