Damit sich Touristen zurechtfinden und vorhandene Möglichkeiten nutzen können, müssen sie zuerst einmal über diese informiert sein. Wie lassen sich solche Informationen professionell aufbereiten und der Landkreis Vogtland damit besser vermarkten?

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Informationen für Touristen im Vogtland professionalisieren

Der Tourismus ist ein wichtiger Teil der Wirtschaftspolitik vieler Landkreise und Regionen in Deutschland - so eben auch des Vogtlandes. Um den Tourismus im Vogtland weiter zu stärken, muss stets an den richtigen Stellschrauben gedreht werden. Denn Tourismus verändert sich mit den Trends einer Zeit und den Ansprüchen und Wünschen der Reisenden. Auch wir versuchen mit vogtland.de unseren Teil zur umfassenden Information für Touristen in unserem schönen Landkreis beizutragen. Doch welche Strategien und Maßnahmen gibt es sonst, Touristen professionell zu informieren und Land und Stadt damit attraktiv zu halten?

Warum der Tourismus immer gestärkt werden sollte

Vorneweg: Tourismus ist deshalb für viele Regionen so wichtig, weil er in etliche Wirtschaftsbereiche ausstrahlt. Als erstes sind hier natürlich das Beherbungsgewerbe und die Gastronomie zu nennen. Fast alle Unterkünfte leben ausschließlich vom Tourismus. Seien es Hotels, Hotels garnis, Backpacker Gasthöfe, Pensionen, gewerbliche Ferienwohnungen, Privatvermieter, Campingplätze, Hütten und Jugendherbergen, Erholungsheime oder auch Vorsorge- und Reha-Einrichtungen - ohne touristischen Zustrom wäre ihnen in vielen Fällen die Lebensgrundlage entzogen. Ähnliches gilt auch viele Gaststätten oder Imbisse mit gefragtem Standort.

Doch auch der Einzelhandel, das Handwerk und verschiedenste Dienstleistungsanbieter, wie etwa Verkehrsunternehmen oder Kultureinrichtungen, profitieren teilweise immens von Touristen. Indem der Tourismus weiter gestärkt wird, lassen sich Arbeitsplätze erhalten und sichern und Gehälter unter fairen Bedingungen erwirtschaften. Regional trägt reger Tourismus zur Erhaltung und Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie der Erholungs- und Erlebnisqualität nicht nur für die Gäste, sondern auch die ansässige Bevölkerung bei. Letztlich befördert Tourismus auch den kulturellen Austausch und die Gastfreundschaft und kann unter anderem auf diese Weise die Wettbewerbsposition eines Landkreises, wie des Vogtlands, für die Zukunft sichern.

Das Vogtland im Speziellen dürfte für viele Touristen gerade aufgrund der beeindruckenden Landschaft als Wander- und Ausflugsziel beliebt sein. Tief eingeschnittene Fluss- und Bachtäler, atemberaubende Ausblicke über die Kuppenlandschaft und riesige Waldflächen im Naturpark Erzgebirge-Vogtland haben einen besonderen Reiz. Auch Kultur- und Freizeitgewerbe sowie die Moor- und Mineralheilbäder Bad Elster und Bad Brambach müssen sich nicht verstecken. Im Winter wiederum locken schneesichere Langlaufloipen und zahlreiche weitere Wintersportmöglichkeiten Touristen ins Vogtland.

Doch das Tourismusgewerbe ist auch kein Selbstläufer. Zwar gehört das Vogtland gemäß den Ergebnissen der Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Region Vogtland" zu den entwicklungsstärksten Urlaubsdestinationen des Freistaates Sachsen. Doch - und darauf verweist auch Martina Schweinsburg, Landrätin des Landkreises Greiz und Vorsitzende des Tourismusverbandes Vogtland e. V im Vorwort zur Studie - ist der Zuwachs an Touristen in naher Vergangenheit nur durch das konsequente Engagement der Landkreise und Kommunen möglich geworden.

Dieses Engagement sollte nicht abbrechen. Bestenfalls wird es noch größer, damit der Tourismus auch weiterhin als Stabilisator oder gar als Motor der gesamten Regionalentwicklung wirken kann. Indem Informationen professionell aufbereitet und Touristen und Interessenten zur Verfügung gestellt werden, bedient man sich gleichzeitig eines wichtigen Mittels des Tourismusmarketings.

Information und Marketing kombinieren

Qualitäten des Vogtlands betonen

Im Grunde lässt sich die Information von Fremden und potenziellen Gästen in einer Region kaum trennen von Tourismus- oder Destinationsmarketing. Schließlich sind fast alle Regionen, die starke touristische Strömungen verzeichnen, wirtschaftlich zumindest teilweise abhängig vom Tourismus. Wer über Möglichkeiten vor Ort - seien es Beherbungs-, Verpflegungs- oder etwa auch Freizeitmöglichkeiten - aufklärt, sollte dies also bestenfalls in einer gleichzeitig werbenden und dennoch unaufdringlich positiven Art und Weise tun.
Es gilt dafür natürlich zunächst die tourismusrelevanten Qualitäten einer Region herauszustellen und ebendiese in den thematischen Fokus der Informationsvermittlung zu stellen. Gerade die Themen Natur und Vitalität, Kultur und Städte, Familienreisen oder, immer wichtiger werdend, auch das Thema barrierefreies Reisen bieten sich beispielsweise auch für das Vogtland an.

Dass das Vogtland schön ist steht fest. Damit davon aber auch die jüngeren Zielgruppen überzeugt werden, bedarf es mitunter ambitionierter Kampagnen etwa in den sozialen Medien.
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Diverse Marketinginstrumente professionell nutzen

Bei der Wahl der Marketinginstrumente muss gerade auch in traditionellen Gewerben mit den Möglichkeiten der Zeit gegangen werden. Technische und digitale Fortschritte in der Gesellschaft greifen auf alle Zielgruppen über, weshalb in Sachen Kommunikation genau wie bezüglich der Marktforschung und -analyse unbedingt mit den Trends zu gehen ist.

  • Onlinemarketing und Social Media

Vor allem der Onlinebereich und die sozialen Medien haben in den letzten Jahren im Tourismusmarketing immer mehr an Bedeutung gewonnen. Das hat spätestens die Standortkampagne "So geht sächsisch" und gerade auch die damit verbundene Content Marketing Maßnahme "#simplysaxony" des Tourismusverbands Sachsen gezeigt. Ziel der Kampagne war und ist, den Bekanntheitsgrad von Sachsen im In- und Ausland weiter zu erhöhen und dabei alle Partner und Akteure aus Wirtschaft, Tourismus, Kunst, Kultur und Sport einzubeziehen und zu stärken. Ganze 40 Millionen Euro wurden dafür von 2013 bis 2018 bereitgestellt.

Die Ergebnisse der Kampagne sprechen für sich: Nach einer Umfrage das Marktforschungsinstitut YouGov, die anlässlich des fünfjährigen Kampagnenjubiläums im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei durchgeführt wurde, kennen nicht nur fast 90 Prozent aller Sachsen, sondern sogar jeder vierte Bundesbürger die Standortkampagne. Außerdem hieß es, dass, wer die Kampagne kenne, Sachsen als lebenswerten Ort einschätze und das Image des Freistaats positiver beurteile. Auf Instagram zählt die Kampagne übrigens inzwischen eine Followerschaft von fast 37.000 (Stand: Mitte Juni 2020) - für eine Fotogallerie zu einer Region in Deutschland unter derlei jungem Publikum (hauptsächlich 14-29 Jährige nutzen Instagram) doch eine beachtliche Zahl. 

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Doch natürlich darf neben starken Webauftritten auch klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nicht unter den Tisch gekehrt werden.

Eine gute Möglichkeit um das Vogtland in glanzvollem Licht in der Presse zu präsentieren, sind die professionelle Betreuung von Presse- und Studienreisen für etwa Reiseveranstalter oder auch für Journalisten. Genauso wichtig ist aber auch das Erstellen und Publizieren von Newslettern, um stets über neue Entwicklungen und Möglichkeiten aufzuklären.

Letztlich sollten auch der Aufbau und die konsequente Pflege verschiedenster Datenbanken nicht vernachlässigt werden. Das können Datenbanken zu Sehenswürdigkeiten oder auch Bilderarchive sein. Als positives Beispiel ist hier etwa die Bildsammlung des ISGV (Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde) zu nennen. Sie ist eines der grundlegenden Langzeitprojekte des Bereichs Volkskunde und beinhaltet einen einzigartigen Bestand an Fotografien, Zeichnungen, Drucken und Ähnlichem zu Sachsen, der seit 1999 ausgebaut, digital erschlossen und der Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht wird. 

  • Broschüren

Auch, wenn gerade Onlinekampagnen immer mehr versuchen, junges Publikum für Urlaubsregionen zu gewinnen, die vermeintlich eher eine ältere Klientel anziehen dürften, sind auch klassische Marketingmaßnahmen im Tourismusmarketing immer noch von großer Relevanz.

Die Hauptzielgruppen für das Vogtland lassen sich weiterhin durchaus auch als Broschüren-affin einschätzen. Deshalb sollten auch diverse informations- und bildreiche Broschüren hergestellt und an den richtigen Orten vertrieben oder ausgelegt werden. Touristeninformationen (dazu im letzten Abschnitt mehr) sind natürlich einer der besten Plätze hierfür. Um die Relevanz von Broschüren auch zukünftig gut einschätzen zu können, gilt es, stets Marktforschung zum On- und Offline-Mediennutzungsverhalten der für den Landkreis Vogtland dominierenden Zielgruppen zu betreiben. Die Ergebnisse helfen auch dabei, die sinnvolle und zeitgemäße Entwicklung der Broschüren zu sichern.

Wichtig ist grundsätzlich natürlich, auf eine hochwertige Qualität der Broschüren und dafür auf einige bestimmte Dinge rund um den Aufbau, die Inhalte und die Optik zu achten. Nur so können diese sich von Flugblättern, herkömmlichen Reiseratgebern, Infoflyern und anderen (möglicherweise auch konkurrierenden) Broschüren abheben.

  • Messen

Letztlich spielen natürlich auch Tourismusmessen für sowohl Fachbesucher, als auch für Endverbrauch und damit potenzielle Besucher des Vogtlandes eine wichtige Rolle im Tourismus- und Destinationsmarketing.

Publikumsmessen sind natürlich vorwiegend in Deutschland selbst sowie im deutschsprachigen Ausland und eventuell einigen direkten Nachbarländern sinnvoll. Doch Fachmessen und Roadshows sowie Workshops können sich auf jeden Fall auch im weiter entfernten Ausland und gerade in reisefreudigen Ländern, wie den USA, China, Großbritannien oder auch Südkorea und Japan lohnen.


Eine gute Beschilderung hilft dabei Touristeninformationen auch ausländischen Touristen leicht zugänglich zu machen.
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Touristeninformationen professionalisieren

Während gerade rund um Grundinformationen und allgemeine Tipps zur Tourismusregion Vogtland selbst bei der älteren Generation heute auch gerne mal das Internet befragt wird, wenden sich Reisende vor Ort, was Geheimtipps und Details betrifft, entweder gerne an Einheimische oder an stationäre Touristeninformationen. Der Landestourismusverband Sachsen hat daher im Jahr 2017 einen ausführlichen Praxisleitfaden veröffentlicht. Dieser gibt zukunftsweisende Empfehlungen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Touristeninformationen.

Auch, wenn wir nicht alle Punkte hier aufführen und darauf eingehen können, möchten wir einige wichtige Dinge abschließend festhalten.

  • Die Adresse der Touristeninformation muss schnell und ohne viele Klicks auf der entsprechenden Internetseite zu finden sein.
  • Gerade in beliebten Apps, wie Google-Maps muss die Touristeninformation richtig verortet sein.
  • Die Touristeninformation muss von außen leicht erkennbar sein. Plakatständer, Schilder oder auch Ausleger mit einem Schriftzug oder einem "i" sowie Flaggen machen die Touristeninformation auch von der Seite und von Weitem gut sichtbar.
  • Touristen sollten von außen durch Glasfenster oder Glasfronten sehen können, was sie im Inneren zu erwarten haben. Die Schaufensterdekoration ist außerdem in regelmäßigen Abständen auszutauschen und etwa an Gegebenheiten, wie Ostern oder Weihnachten anzupassen. Auch Themen, wie "Wandern" oder "Radfahren" machen sich gut und sprechen Touristen oft an.
  • Eine eigene App für die Touristeninformation ist gerade für jüngere Zielgruppen extrem praktisch und sinnvoll. Falls eine solche App zu aufwendig zu programmieren und entwickeln ist, kann über die Touristeninformation etwa auch auf andere Vogtland-Apps verwiesen werden.
  • Vor Ort in jeder professionellen Touristeninformation vorhanden sein sollten Dinge wie Broschüren oder Prospekte in entsprechenden Glasboxen, eine Landkreiskarte, Werbeflyer für Angebote in der Nähe und vielleicht auch eine Art Selbstbedienungsterminal - gerade, wenn es kein festes Personal am entsprechenden Standort gibt.
  • Diverse zum Verkauf angebotene Produkte sollten nicht hinter Vitrinen, sondern bestenfalls zum Anfassen auf erreichbaren Regalen ausliegen. Das sensorische Erlebnis steigert die Kaufbereitschaft der Touristen.
  • Auch Touristeninformationen sind so gut wie möglich barrierefrei zu halten. Sollte etwa aufgrund von Denkmalschutz kein barrierefreier Zugang möglich sein, kann zum Beispiel eine Klingel angebracht werden. Mit dieser können Rollstuhlfahrer oder Menschen mit anderen Behinderungen auf sich aufmerksam machen und Personal etwa zum Aufstellen einer Rampe zu sich rufen oder die Touristen draußen beraten. 
 
erschienen am 05.06.2020
 
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