Peggy Goram mit der Spezialität des Hauses: "Gebackenes Karpfenfilet". Peggy Goram mit der Spezialität des Hauses: "Gebackenes Karpfenfilet".

Foto: Harald Sulski

Geschenk in Zwota erinnert an Tor aus Walknochen

 

Zwota. Heute sind sie aus Holz geschnitzt, ein handliches, maßstabsgetreues Gastgeschenk. Dem Fenster, das sie schmücken, reichen sie gerade mal bis ins Kreuz. 1957 war alles noch ganz anders. Da gehörten zwei echte Walknochen zum Inventar. Jeder knapp fünf Meter hoch und vier Zentner schwer, formten die Originale am "Gasthof zum Walfisch" einen Torbogen.
 
Sogar zweimal fanden Skelettteile von Meeresriesen den Weg ins vogtländische Zwota. Die erste Lieferung traf Ende des 18. Jahrhunderts ein, als das Gasthaus an der Hauptstraße noch "Hammerschänke" hieß. "1798 brachten Fuhrleute aus dem damaligen Hammerwerk Schiffsbleche nach Rotterdam und Amsterdam, sahen die Knochen und erzählten zu Hause, da könne man mit einem Heuwagen durchfahren", wiederholt "Walfisch"-Inhaber Alfons Goram überlieferte Worte. Geglaubt habe ihnen keiner. Also wurden Beweisstücke herangekarrt und vor dem Wirtshaus aufgebaut. 1836 folgte die Umbenennung in "Gasthof zum Walfisch". Von Verwitterung gezeichnet, mussten die Namenspatrone ein Jahrhundert später weichen. Ersatz ließ nicht lange auf sich warten.
 
Seit wann der Gasthof existiert, geht nach Aussagen von Goram nicht aus der Geschichtsschreibung hervor. "Es ist aber der Älteste im oberen Vogtland." 1711 finden sich erste Spuren in Dokumenten, nach dem Ortsbrand war das Haus 1770 wieder aufgebaut worden. Zu Beginn der DDR musste es sich an einen neuen Namen gewöhnen. Vom Rat des Kreises einkassiert, hieß es "Kreisjugendklubhaus Erich Honecker" - jedenfalls bis 1972. Dann sollte "Klubhaus der Jugend" genügen. Goram leitete damals die Konsumgaststätte im Objekt und hat eine einfache Erklärung für die verordnete Wortstreichung: "Es war einem Staatsmann nicht würdig." Seit dem politischen Umbruch trägt der Gasthof wieder seine ursprüngliche Bezeichnung.
 
1991 war der "Walfisch" samt 251 Quadratmeter großem Saal für kulturelle Veranstaltungen per Kauf in Familienbesitz übergegangen. Daraufhin wehte nicht nur optisch ein neuer Wind im alten Gemäuer. Serviert wird, was der Vogtländer gerne isst und zu Großmutters Zeiten auf den Tisch kam. Meist sind Kartoffeln beteiligt. "Schladereguggs geht sehr gut. Das ist gebratener Kloßteig mit Räucherspeck und Zwiebeln", erklären Alfons Goram und sein Sohn René. "Dazu gibt es Schwammebrie."
 
Wenn sich der Inhaber irgendwann mal zur Ruhe setzt, soll die Regie unbedingt in der Familie bleiben, sagt er. René Goram und seine Schwester Peggy werden dann ihre Fähigkeiten bündeln. Die 42-Jährige ist Küchenverantwortliche, Serviermeisterin und Lehrausbilderin.

 

 
erschienen am 22.09.2011 (Von Sylvia Dienel)
 
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