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Vogtland kulinarisch entdecken

Als Kulturregion im Grenzgebiet zwischen Bayern, Böhmen, Thüringen und Sachsen repräsentiert die vogtländische Küche gleich vier Regionalküchen. Das schlägt sich natürlich in einem äußerst vielfältigen Speisenangebot wieder. Für viele Touristen bedeutet ein Aufenthalt im Vogtland daher auch kulinarischen Genuss der Extraklasse. Damit Sie beim nächsten Aufenthalt wissen, worauf sie in der Speisekarte einen besonderen Blick werfen sollten, nachstehend ein paar exklusive Empfehlungen.

Fürstlich speisen wie die alten Vögte

Seinen Namen erhielt das Vogtland, weil es bereits seit dem 11. Jahrhundert eine Vielzahl deutscher Vögte gestellt hat. Die wollten natürlich stets auch herrschaftlich verköstigt werden. Dementsprechend setzte die vogtländische Küche über alle Jahrhunderte hinweg nur auf beste Zutaten aus regionalem Anbau sowie geschmacklich vollendete Rezepte. Der kritische Gaumen des Adels hat die Kulinarik des Vogtlands also seit jeher mit geprägt. Das Resultat ist heute eine gehobene ländliche Küche mit vielen erlesenen Kräutern, Gemüse aus biologischem Anbau und einer deftigen Note, die definitiv Wiedererkennungswert besitzt.

Und das wissen auch viele Urlauber in der Region zu schätzen. Als Urlaubsziel ist das Vogtland deshalb nicht nur wegen seiner traumhaft schönen Landschaft, sondern auch für seine geschichtsträchtige Gastronomie bekannt, die gleich mehrere Volksküchen miteinander vereint. Böhmen, Franken, Sachsen und Thüringen steuern zum reichen Speisenangebot bei, das neben allgemeinen deutschen Klassikern auch zahlreiche einmalige Rezepturen kennt. Das alles natürlich unter dem Namen regionaler Mundart, die einerseits von ländlicher Tradition, andererseits von kulinarischem Humor zeugt.

Die goldene Knolle - Kartoffelgerichte der vogtländischen Küche

Das Vogtland gilt als Meisterschmiede kulinarischer Spezialitäten im Süden Deutschlands. So hat hier zum Beispiel die Kartoffel einst ihren Erfolgszug angetreten. Nach ihrer Einführung aus Amerika begann im Vogtland schon sehr früh, etwa um 1650, der landwirtschaftliche Kartoffelanbau im Raum Schönberg. Und auch heute noch steht die Kartoffel im Fokus vogtländischer Traditionsküche. Berühmte Regionalgerichte wie

  • Bambes - Kartoffelpuffer
  • Eingeschnittene - Bratkartoffeln
  • Grüngeniffte - Klöße aus roh geriebenen Kartoffeln
  • Nackete Maadle - gebratene Klöße
  • Spalken - vogtländische Kartoffelsuppe
  • oder der Vogtländische Knollensteig

erfreuen sich unter Einheimischen wie Touristen großer Beliebtheit. Dabei wird man anstatt dem Wort Kartoffel hier und da auch den Begriff "Erdeppl" (Erdäpfel) häufig hören. Die sowohl in Bayern als auch in Thüringen und Sachsen gebräuchliche Volksbezeichnung der Kartoffel findet sich sogar in der vogtländischen Volksdichtung.

"Erdeppelsupp in der Früh, 
Erdeppl zu Mittig in der Brüh, 
Erdeppl ne Umnd in der Schol, 
macht ne Tag drei Mol."

Lautet ein regionales Sprichwort und lässt erahnen, welchen Stellenwert die gesunde Knolle seit jeher in der Traditionsküche des Vogtlandes spielt. Bis zu dreimal täglich kommt sie auf den Tisch und das sowohl in deftiger als auch süßer Variante.

Ja, man kann aus Kartoffeln auch jede Menge Süßspeisen herstellen. Die Schlagersängerin Stefanie Hertel widmete beispielsweise dem "Erdäpfelkuhng" aus Omas Backstube ein ganzes Lied. Dahinter versteckt sich ein großer Kartoffel-Hefe-Fladen mit Rosinen und Mandeln. Wer also im Vogtland Urlaub macht, der darf auf ein ordentliches Kartoffelgericht nicht verzichten und sollte die Knolle auch als Zutat für Desserts genauer unter die Lupe nehmen.

Fisch- und Fleischgerichte im Vogtland

Zu herzhaften Kartoffelbeilagen reicht man im Vogtland gerne gut Geschmortes und Gegrilltes. Fisch spielt dabei für die vogtländische Küche eine wichtige Rolle. Malerische Flusstäler wie die der Weißen Elster oder Seenlandschaften wie die Bleilochtalsperre laden hier nicht nur zum Wandern ein, sondern liefern auch leckere Fischsorten wie Karpfen oder Hering. Nicht wegzudenken ist aus der Regionalküche der Vogtländische Karpfen. Er wird in einer Kasserolle mit ordentlich Butter, Zitronensaft, Essig und Fischgewürz zubereitet. Letzteres besteht aus besten regionalen Bio-Zutaten, wobei die Rezeptur meist

  • Brotrinde
  • Kohlrabi
  • Lorbeer
  • Möhren
  • Petersilienwurzel
  • Pfeffer
  • Porree
  • rote Rüben
  • und Sellerie

vorsieht. Beim Ei'mar'nierten Hering nach Vogtländer Art kommt dagegen eine deftige Marinade aus Milch, Sauerrahm, Äpfeln, sauren Gurken, Tomaten und Zwiebeln zum Einsatz. Das Abschmecken erfolgt dann mit vielen frischen Kräutern (z.B. Dill, Estragon, Schnittlauch und Zitronenmelisse), bevor der Hering ausgiebig darin gewälzt und anschließend gebraten oder gebacken wird.

In Sachen Fleisch geben im Vogtland Rouladen, Schmorfleisch und Krehnfleisch den Ton an. Riffelbrot'n und Krehbrie ist in diesem Zusammenhang ein absolutes Muss. Als Fleischbasis verwendet man gepökelte Rückenknochen, die mit einer süßlich-scharfen Meerrettich-Soße werden. Dazu gibt es gerne Serviettenkloß. Ursprünglich eine Spezialität aus der böhmischen Küche, lässt er sich am besten als Riesen-Semmelknödel beschreiben. Zu einem großen Laib geformt, gibt man ihn zunächst in eine sauberes Tuch und lässt ihn anschließend in einem Topf mit Wasser durchgaren. Zum Servieren schneidet man den Serviettenkloß danach in mundgerechte Scheiben.

Tipp: Hervorragend schmeckt Serviettenkloß auch zum vogtländischen Sauerbrot'n oder Gänsbrot'n. Wenn er also auf der Speisekarte einer örtlichen Gaststätte als Beilage angeboten wird, sollten Sie ihn unbedingt probieren!

Ein guter Tropfen darf beim Essen nicht fehlen

Nun ist das Vogtland aber nicht nur für seine herzhaften Spezialitäten bekannt. Auch als Weinanbaugebiet ist die Region weltberühmt. Veranstaltungen wie die Weinmesse der sächsischen Winzer sind darum längst nicht die einzigen Adressen für gute Weine im Südosten Deutschlands. Im Einzugsgebiet mehrerer Weinanbaugebiete der Fränkischen und Sächsischen Weinstraßen gelegen, kommen Önotouristen und Weinkenner auch in vogtländischen Gefilden voll auf ihre Kosten. Angebote zu Weinverkostungen gibt es vielerorts, so zum Beispiel in Lengenfeld, Reichenbach, Plauen oder dem Klingenthal.

Eine kulinarische Empfehlung ist in Sachen Wein der Plauener Hoosnbrot'n. Er wird mit regionalem Weißwein, Speck und Saurer Sahne zubereitet. Auch zu regionalen Gerichten wie der Holundersupp, Gänsklaa oder Gänsbrot'n schmeckt ein guter Tropfen vogtländischer Wein immer gut. Gänsklaa oder Gänseklein könnte dabei für manchen etwas gewöhnungsbedürftig sein, denn die kleinen Gänsestücke bestehen nicht nur aus Gänsefleisch. Auch Innereien wie Herz, Magen und Leber werden darin verarbeitet. Eine kulinarische Spezialität also, die nichts für schwache Nerven ist.

Wichtig: Wer sich als Souvenir oder Geschenkidee gerne ein Fläschchen Vogtländischen nach Hause holen möchte, der sollte sich vorab vom Profi über gute Weinangebote informieren lassen. Wie in jeder Weinregion gibt es auch im Vogtland zahlreiche Variationen, darunter exklusive Jahrgangsweine sowie echte Raritäten. Diese Flaschen eignet sich auch ideal als Geburtsgeschenk. Wer nicht direkt nach der Geburt vorsorgt, muss im Nachhinein aber auf die Qualität achten. Gerade bei Weinen, die schon ein gewisses Alter auf dem Buckel haben, ist die Rarität nicht immer noch trinkbar.

Zu beachten ist hierbei vor allem auf Prüfsiegel und Zertifikate zur Herkunft der Weine. Wer dann die richtige Wahl getroffen hat, kann mit dem passenden Vogtlandwein auch beim Nachkochen zuhause den (Wein-)Geist der traumhaft schönen Kulturregion beschwören.

Mehr als Kraut und Rüben - Gemüsespezialitäten aus dem Vogtland

Bevor die Kartoffel ihren Weg ins Vogtland fand, waren wie in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas Kohl- und Wurzelgemüse die wichtigsten pflanzlichen Lebensmittel. Es verwundert daher nicht, dass Spezialitäten wie Blaukraut, Sauerkraut, Karottengemüse oder rote Rüben ebenfalls ein fester Bestandteil der vogtländischen Küche sind. Doch sie kann in Sachen Gemüse noch deutlich mehr.

Wie wäre es zum Beispiel mit Schüttelgurken? Dazu benötigt man lediglich zwei Gurken, 6 Esslöffel Essig, 2 Esslöffel Zucker, frischen Dill, ein paar Senfkörner, etwas Salz und Pfeffer. Die geschälten und in Scheiben geschnittenen Gurken werden gemeinsam mit den Würzmitteln in ein Einmachglas gegeben und anschließend gut geschüttelt. So erhält man im Handumdrehen einen leckeren Gurkensalat.

Auch mit frischen Pilzen kochen die Vogtländer gerne. Das nicht nur, wenn es um die Zubereitung von Rouladenfüllung oder Bratensoße geht. Auch als Zutat für vogtländische Schwamme'brüh dürfen Schwammerl nicht fehlen. Wenn Sie Glück haben, finden Sie bei Ihrem Urlaub im Vogtland sogar einen professionellen Schwammerlsucher und können im Rahmen einer Wanderführung selbst auf Pilzjagd in den hiesigen Wäldern gehen.

Übrigens: Das Vogtland ist ein wichtiger Lieferant für Bio Gemüse in Deutschland. Vogtländische Bio Betriebe werden mit Unterstützung der gesamten Region nachhaltig modernisiert, um Touristen bei ihrem kulinarischen Erlebnis beste Zutaten mit Bio-Siegel aus regionalem Anbau garantieren zu können. So viel Anstrengung hat großes Lob verdient und zeugt von den hohen Qualitätsansprüchen der vogtländischen Gastronomie.

 
erschienen am 11.09.2020
 
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