Das Wandereldorado Vogtland ist auch für seine Mundart bekannt.

Foto: Freie Presse Archiv

Vogtländische Mundart ist einzigartig

Als Eldorado des Wanderers, Wintersportlers und Kultururlaubers, der die einzigartige Landschaft und kulturelle Vielfalt des Vogtlandes zu schätzen weiß, ist das Vogtland ja schon bekannt.

Nicht umsonst erhielt dieses klingende Fleckchen Erde im Frühjahr 2005 die Auszeichnung als "Deutschlands Wanderregion 2005". Doch auch in Sachen Mundarten, Sitten und Bräuche bewahren die Vogtländer ihre vielfältigen Traditionen.

Wer einen Abstecher auf den 220 Kilometer langen Panoramaweg durch das Vogtland wagt, der bekommt wahrscheinlich nicht nur irgendwann müde Füße, sondern auch einen knurrenden Magen und Lust auf ein typisch vogtländisches Gericht. Zahlreiche Gaststätten laden zum Verweilen ein und bieten dem hungrigen Ausflügler alles, was das Pilgerherz begehrt. Wie wäre es dann beispielsweise mit einem deftigen Sauerbraten und "Häfenkniedle"?

Einzigartig klingende Mundart

Bei seiner Wanderung durch die Städte und Dörfer des Vogtlandes kann der geschulte Hörer insgesamt etwa 14 unterschiedliche Dialekte entdecken. In kaum einer anderen Region Deutschlands findet man mehr Mundarten als im Vogtland - und das nicht ohne Grund. So wie das Vogtland von jeher Durchgangsund Verbindungsregion von Süd- nach Mitteldeutschland war, so schlägt das Vogtländische eine Brücke zwischen den oberdeutschen und mitteldeutschen Mundarten.

Einflüsse der bayerischen, oberpfälzischen, sächsischen, erzgebirgischen sowie thüringenschen Mundarten sind unüberhörbar. Begeben wir uns einmal auf den Weg und durchqueren diese Naturidylle auf der Suche nach ihrer sprachlichen Vielfalt. Angefangen im äußersten südlichen Zipfel des Vogtlandes führt die Reise zunächst bis zur Sprachgrenze Adorf-Markneukirchen.

In dieser Region wird eine oberpfälzische, also nordbayerische Mundart gesprochen mit gerolltem Zungen-R und musikalischen Elementen. Weiter östlich, dass heißt im Klingenthaler Grund und im Aschberggebiet, erklingt eine Mundart, die in ihren Gründzügen westerzgebirgisch und vor allem durch ihre starken o-Färbungen und Doppellaute unverwechselbar ist.

Begeben wir uns weiter nach Norden, dann schließt sich an diese beiden Gebiete des Nordbayerischen und Westerzgebirgischen die Sprachlandschaft des Vogtländischen an, die mit Plauen im Mittelpunkt von der Linie Schöneck - Falkenstein - Auerbach - Rodewisch - Kirchberg - Reichenbach - Elsterberg - Pausa und Mühltroff begrenzt wird. Das Vogtländische als geschlossene, selbständige Mundart gliedert sich hier nochmals in vier Untermundarten.

Die vielen hörbaren Eigenarten des Vogtländischen, wie zum Beispiel die besondere Melodik und Intonation sowie ein spezifischer Wortschatz verleihen diesem Dialekt eine seltene Geschlossenheit und Eigenständigkeit. Grund genug, um an diesem echten alten kulturellen Erbgut festzuhalten.

Die vogtländische Tracht

Das Vogtland gehört zu den deutschen Landschaften, in denen die Volkstracht als landschaftstypische Bekleidungsform der dörflichen Bevölkerung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart Spuren hinterlassen hat. Heimatvereine und Folkloregruppen tragen gegenwärtig zu einer Trachtenerneuerung bei. Die von angrenzenden Kulturlandschaften, wie Oberfranken, Thüringen und Egerland beeinflusste Kleidung entwickelte sich um 1800 als schmuckreiche Festtagsbekleidung in den vogtländischen Dörfern.

Dunkle Farbtöne von braun über blau bis violett kennzeichneten die oft gestreiften langen Röcke der Frauen und auch Schürzen und Schultertücher sowie die wattierten kurzen Jacken, Spenzer genannt, waren in diesen Farben gehalten. Die gegilbten Westen der Männer oder der lange Überrock und die ledernen Beinkleider waren ebenfalls dunkelfarbig. Nur weiße Blusen und Hemden hellten das Trachtenbild auf. Besonders kennzeichnend und reich geschmückt war die so genannte Buckelhaube der Frauen.

Mit der frühen Anbindung des Vogtlandes an die Eisenbahn (1848) und der schnellen Ausbreitung der Textilindustrie begannen der Einfluss und die Vorherrschaft städtischer Moden, so dass die Tracht nach 1860 an Bedeutung verlor. Nur Heimatvereine und Museen pflegten im 20. Jahrhundert u. a. durch Trachtenfeste die Tradition und bewahrten ein Stück regionaler Volkskultur vor dem Vergessen.

 
erschienen am 12.01.2007
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)
Artikel weiter empfehlen