Die UNESCO hat das Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke von der Liste des Weltkulturerbes gestrichen. Das Bild zeigt die Baustelle der umstrittenen Brücke im April.Foto: Norbert Millauer
Elbbrücke kostet Dresden den Welterbetitel
Unesco zu keinem weiteren Kompromiss im Streit um Waldschlößchenbrücke bereit
Sevilla/Dresden. Das Dresdner Elbtal hat seinen Welterbetitel verloren. Einen entsprechenden Beschluss hat am Donnerstag das Welterbekomitee der Unesco im spanischen Sevilla mit deutlicher Mehrheit gefällt. Vorausgegangen war eine mehrstündige Beratung, in der auch Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) kurz zu Wort kam. Sie hatte für einen erneuten Aufschub der Entscheidung geworben, bis die umstrittene Waldschlößchenbrücke fertig sei. Dresden war 2004 ins Welterbe aufgenommen worden, bereits seit 2006 galt der Titel wegen der Brücke als gefährdet.
Zu einem weiteren Kompromiss war die Unesco nicht mehr zu bewegen. Sie setzte den Schlusspunkt unter jahrelange Querelen. 2008 hatte die Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur ultimativ einen Baustopp für die Brücke und stattdessen einen Tunnel gefordert. Nach ihrer Ansicht verschandelt die vierspurige Autobrücke das Elbtal und zerstört die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen unwiederbringlich. Mit 14 zu 5 Stimmen wurde Dresden nun von der Welterbe-Liste gestrichen. Aus Tagungskreisen verlautete, Dresden könne sich wieder bewerben, wenn es einen Vorschlag unterbreite, "der dem universellen Welterbe-Gedanken entspricht".
Obwohl der Schritt der Unesco nicht unerwartet kam, löste die Aberkennung des Titels Betroffenheit aus. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach von einem "schwarzen Tag für Dresden und Deutschland". Erst zum zweiten Mal hat die Unesco eine Welterbestätte gestrichen, erstmals aber bei einem reichen Land und noch dazu bei der Kulturnation Deutschland, konstatierte Eva-Maria Stange (SPD), Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und zugleich sächsische Kulturministerin. Dresden sei "sehenden Auges ins Verderben gerannt". Der Deutsche Kulturrat sieht Deutschland "in der Welt blamiert". Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bedauerte die Entscheidung. Die Dresdner hätten sich klar für die Brücke entschieden. Bürgerschaftlicher Wille sei in einer Demokratie ein wertvolles Gut. "Es ist schade, dass es nicht möglich war, den Bürgerwillen und die Komitee-Entscheidung zusammenzubringen", so Tillich.
Dresdner Brückengegner veranstalteten am Donnerstag kurz nach der Bekanntgabe der Entscheidung eine Demonstration zur Frauenkirche. Jana Knauth vom Welterbeverein in Dresden kritisierte "die sture Haltung von Stadt und Freistaat". Dafür sei sich die Unesco treu geblieben und "hat sich politisch nicht unter Druck setzen lassen", sagte sie. Brückenbefürworter kritisierten dagegen die Unesco: "Sie ist nicht fair mit Dresden umgegangen."
Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) verwies darauf, dass die Bundesrepublik einer der größten Beitragszahler der Unesco sei. Die Entscheidung sei "ein unfreundlicher Akt", sagte er der "Freien Presse". Erstmals hatte die Unesco 2007 einen Welterbetitel gestrichen: den für ein Naturschutzgebiet im Oman.
Von Uwe Kuhr