Katja Meinel serviert im Sportlerheim Lachs mit Spargel. Katja Meinel serviert im Sportlerheim Lachs mit Spargel.

Foto: Harald Sulski

Ex-Schiffskoch ankert in Klingenthal

 

Klingenthal. Sicher fehlen sie, sagt Sportlerheim-Wirt Thorsten Voigt und meint andere Ecken der Erde weit weg von zuhause: Griechenland, Dänemark, Marokko, Ägypten, Djibouti, Somalia. Länder, in denen "sein" Schiff ankerte. Das war vor gut 20 Jahren. "Nach meiner Lehrlingszeit zur Wende ist hier alles zusammengebrochen", erinnert er sich. Bei der Marine-Abteilung der Bundeswehr seien dagegen händeringend Köche gesucht worden.

Also packte Voigt Koffer, sammelte noch an Land - bei Osnabrück - Berufserfahrung, ließ sich anschließend auf Sylt zum Schiffskoch ausbilden und verbrachte seinen Wehrdienst auf See. "Ich bin damals von Schiff zu Schiff weitergereicht worden", berichtet der Klingenthaler. Und immer war er einer der wichtigsten Männer an Bord. "Über das Essen wird viel geregelt", weiß der ambitionierte Koch. Wieder dauerhaft festen Boden unter den Füßen, machte er ein zweites Mal in Niedersachsen Station und ging vor der Rückreise ins Vogtland für einige Zeit als Sous-Chef nach Österreich.

Seit 2000 hat ihn sein Heimatstädtchen wieder. Ein Jahr später verabschiedete sich Voigt vom Angestelltenstatus in die Selbstständigkeit und kaufte das 1962 gebaute Sportlerheim in Klingenthal. "Anfangs hatten wir eine riesige asiatische Karte", blickt er leicht wehmütig zurück. Schließlich verbrachte der 39-Jährige zwischendurch noch ein Arbeitsjahr in Peking. "Damals waren die Gäste neugierig, das ist dann leider abgeebbt." Eine Handvoll Gerichte sind Bestandteil der regulären Speisekarte. Ganz aus den Augen verloren hat er das "Großprojekt" dennoch nie. Im Gegenteil: "Wir wollen wieder damit anfangen", kündigt er an. "Das braucht aber noch ein bissel Zeit."

Thorsten Voigts zweites Standbein ist ein umfangreicher Partyservice. Seit 2011 versorgt sein Sportlerheim außerdem das Klingenthaler Skisportgymnasium täglich mit leistungsgerechten Mahlzeiten. Gemanagt wird der Vor-Ort-Service von seiner Lebensgefährtin Katja Meinel. Fachlichen Rat gibt ein Ernährungsberater am Olympiastützpunkt.

Nach wie vor Hochkonjunktur haben die Stammtische im kleinen und gemütlich wirkenden Restaurant. "Donnerstags ist der Familienstammtisch, freitags wechselndes Publikum. Da geht es dann schon Nachmittag um drei los", erzählt der Wirt. "Später kommt noch ein Tisch, dort wird Karten gespielt. Und freitags nach dem Training haben wir die Fußballer zum Schnitzelessen hier." Mit einer Gäste-Invasion bekommen es Voigt und seine Mitarbeiter Mitte Mai wieder zu tun: "An Himmelfahrt sind wir ein typisches Frühschoppen-Lokal mit Biergartenbetrieb."

» Internet: www.sportlerwirt.de

 

 
erschienen am 03.05.2012 ( Von Sylvia Dienel )
 
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