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Auf Goethes Spuren auf den Borschen
Der Dichter kletterte im August 1810 auf den größten Klingstein-Monolithen Mitteleuropas - Ausblick entschädigt für die Mühen des Aufstiegs

Der Blick vom Gipfel des Borschen auf das Tal der Bílina. Am Horizont sind die Häuser der Stadt Brüx/Most zu erkennen.
Bilin/Bílina. Auf dem Borschen ist man den Wolken ein Stück näher, während einem die nordböhmische Stadt Bílina sprichwörtlich zu Füßen liegt. 539 Meter liegt der vom Wind umwehte Gipfel über dem Meeresspiegel, gut 380 Meter tiefer fließt der Fluss Bílina dahin.
Als vor 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe in Teplitz zu einer Kur weilte, kletterte er am 26. August 1810 auch auf den Borschen. Dessen markante Gestalt und geologische Struktur begeisterten den Dichter derart, dass er den Berg in mehreren Zeichnungen festhielt, die sich heute im Besitz der Weimarer Museen befinden. Wegen seiner Form wird der Berg auch als Biliner Löwe bezeichnet. 19 Jahre vor Goethe hatte Alexander von Humboldt den Ausblick vom Gipfel genossen.
Rest eines Vulkans
Das mächtige Felsmassiv besteht aus Vulkangestein, so genanntem Klingstein. Zur Zeit der Entstehung befand sich in dieser Gegend des heutigen Nordböhmens ein Vulkan. Durch Erosion wurde das Gebirge im Laufe von Jahrmillionen abgetragen, zurück blieb der Berg aus altem Magma. Er gilt als größter Klingstein-Monolith Mitteleuropas. Seit 1977 stehen 23,4 Hektar als Nationales Naturreservat unter Schutz.
Der Berg ist bis etwa zur halben Höhe entlang der grünen Markierung auf einem ohne große Schwierigkeiten begehbaren Wanderweg zu erklimmen, der an der Fernverkehrsstraße oder dem Kurgelände Kyselka in Bílina beginnt. 1996 hatten Schüler des Gymnasiums Bílina einen Lehrpfad bis hinauf auf den Gipfel angelegt - samt zwölf mehrsprachiger Informationstafeln über die geologische Entwicklung des Felsens sowie seiner Flora und Fauna. So stehen von den 92 Vogelarten, deren Brutplätze am Borschen nachgewiesen sind, 22 auf der Liste der besonders bedrohten Arten.
Auf den Felsenböschungen wächst eine Reihe von geschützten Pflanzen - Felsensteinkraut, Alpensternblume und Böhmisch-Wiesenküchenschelle, um nur einige zu nennen. In den Felsen nistet der Uhu, man findet auch Grünkröte und Glattnatter.
Eine Sage erzählt, dass im Inneren dieses Bergs ein Schatz vergraben sein soll, der von Kobolden und Elfen bewacht wird. Nur ein Mensch mit reinem Herzen könne ihn je entdecken. Noch scheint der Schatz auf seinen Finder zu warten. In einer anderen Sage wird von einer Zauberin berichtet.
Das letzte Stück des Wegs hinauf auf den Gipfel ist allerdings schmal sowie anstrengend und nicht für jedermann geeignet. Aber auch schon von weiter unten hat man einen wundervollen Blick auf die Umgebung.
Außerdem ist der Felsen seit vielen Jahren für Bergsteiger erschlossen. Die Alpinisten haben den markanten Steinformationen inzwischen Namen gegeben. So gibt es den Bertholds-Finger und den Gregors-Kamin. Auf der Südseite des Bergs befindet sich die Dämonkanzel, im Osten ein Steinwasserfall, an der Nordflanke der Mittagsstein und im Westteil der Bischofstuhl oder Orchel.
Die ersten Ideen für eine touristische Nutzung des Bergs hatten 1914 die Mitglieder der Gebirgsvereine Bilin und Brüx. Drei Jahre später begannen Verhandlungen über den Bau einer Unterkunft. Diese Hütte konnte 1928 eröffnet werden. In die Finanzierung floss der Erlös von 7000 verkauften Ansichtskarten vom Borschen ein. Heute dient die Hütte am Berg als Restaurant und Pension.
Von Thorald Meisel
Erschienen am 26.08.2010
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