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Zwei Jakobswege durchs Vogtland geplant

Die Wiederbelebung alter Pilgerpfade geht allmählich voran - Planungsvorsprung für die Neben-Variante über Lengenfeld, Treuen und Oelsnitz


Gottfried Pester

Das Jakobsweg-Projekt kommt zurzeit nur schleppend voran, doch Gottfried Pester schafft Tatsachen. Er hat in Irfersgrün bereits Schilder mit dem Symbol der Jakobsmuschel angebracht.

Irfersgrün. Bei der geplanten Wiederbelebung alter Pilgerpfade in Sachsen deutet sich im Vogtland eine Besonderheit an: Gleich zwei Jakobswege sollen künftig von Zwickau aus durch den südwestlichen Zipfel Sachsens hindurch führen und sich erst in Hof wieder vereinen. Das erklärte der Irfersgrüner Tourismus-Unternehmer Gottfried Pester nach Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Kirchen. Vorerst allerdings stagniert das Projekt.

Pester gilt als einer der aktivsten Verfechter der Reaktivierung der historischen Pilgerwege im Vogtland. "Es gab schon genug Zeitverzug", betont Pester und fordert zum Handeln auf. Eine europäische Initiative treibe seit Jahren die Belebung der Jakobswege voran. Inzwischen ist auch von Stollberg aus in Sachsen vieles in Bewegung geraten.

Dort etablierte sich ein Verein "Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße". Während dieser Verein inzwischen vor der Einweihung des ersten Jakobsweg-Abschnitts steht und mit Staatskanzlei-Chef Johannes Beermann als Schirmherrn in Dresden einen einflussreichen Förderer gewonnen hat, hinke das Vogtland hinterher, warnt Pester.

Ab Zwickau getrennte Wege

Von Bautzen über Dresden und Chemnitz bis Zwickau ist die Streckenführung eines reaktivierten Jakobsweges weit gehend klar. Dann soll sich der Weg teilen: Der eine folgt der Via Imperii, dem alten Handelsweg zwischen Venedig und der Ostsee. Dieser Weg führt von Zwickau über Reichenbach, Mylau und Plauen nach Hof - und er existierte bereits im Jahr 1460 durchgängig. Dieser Weg ist der Hauptweg, betont Ulrich Wolf, Vorsitzender des Stollberger Vereins.

Der dagegen von Pester propagierte "Vogtländische Jakobsweg" werde "als Variante mit ins Programm genommen", erklärt Wolf. Bis 2013 soll das gesamte Projekt in Sachsen abgeschlossen sein. Jener Weg folgt der über Höhenzüge führenden Alten Straße aus dem 13. Jahrhundert. Von Zwickau führt er über Lengenfeld, Treuen und Oelsnitz nach Hof. Dort vereinigen sich beide Wege. Die Pilger ziehen von dort auf dem europäischen Jakobswege-Netz weiter mit dem Ziel Santiago di Compostela in Spanien. Die meisten, so berichtet Ulrich Wolf, nehmen den Weg über Ulm und Konstanz durch die Schweiz.

Gottfried Pester sieht in den Jakobswegen keine Modeerscheinung, verursacht durch die Pilgertour des Komikers Hape Kerkeling und dessen Bestseller "Ich bin dann mal weg". Der agile Unternehmer verweist vielmehr auf die Einstufung der Pilgerpfade als Unesco-Weltkulturerbe. Er setzt sich auch über Bedenken hinweg und schafft Tatsachen: An seinem Campingplatz in Irfersgrün sind bereits Hinweisschilder installiert. "Das Symbol der Jakobsmuschel ist allgemein gültig und zur Nutzung frei gegeben", sagt Pester.

Noch etwas zurückhaltender zu den Jakobsweg-Plänen im Vogtland äußern sich Politik und Verwaltung. Der Bundestagsabgeordnete Robert Hochbaum (CDU) sieht in der Gründung eines Vereins "Vogtländischer Jakobsweg" den notwendigen nächsten Schritt. Hochbaum erklärt: "Nur in Zusammenarbeit von kommunalen Vertretern und Kirchen kann das Projekt gelingen." Damit deutet er an, dass in manchen Kommunen das Interesse bereits nachlässt.

Das bestätigt auch Lengenfelds Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld). Das Projekt gehe dennoch Schritt für Schritt voran. Jetzt stehen die Ausarbeitung einer Satzung und die Vereinsgründung an. Denn obwohl der Vogtländische Jakobsweg ausschließlich auf regulären Wanderwegen entlang führen soll, gehöre mehr dazu als ein paar Wegmarkierungen. Dass Initiator Pester ungeduldig wird, verstehe er, meint Bachmann. Doch er habe die Umsetzung des Vorhabens betreffend "ein gutes Gefühl", erklärt der Lengenfelder Bürgermeister.

Eine Vollmacht vom Vereinschef

Um im Sinne des Projekts handlungsfähig zu sein, arbeitet Pester jetzt mit den Stollbergern zusammen. Eine von Vereinschef Wolf unterzeichnete Vollmacht gestattet es Pester, im Auftrag des dortigen Vereins die Alternativroute voranzutreiben.

Von Ulrich Riedel


Erschienen am 14.07.2010




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