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Kultur & Sehenswertes
Die Gespenster der Vergangenheit
Das Grauen des Zweiten Weltkrieges kehrt in Albträumen zurück - Der Plauener Manfred Feiler malt dagegen an - Ausstellung mit 150 Bildern
"Notlazarett Lettland - selbst", lautet der Bildtitel: "Das da, der Verwundete, bin ich", sagt Manfred Feiler zu dem Motiv.
Plauen. Eine Schreckenskammer ist Teil der bisher größten Ausstellung des Plauener Malers Manfred Feiler. Mehr als 150 Gemälde, Aquarelle und Skizzen aus sechs Jahrzehnten sind jetzt anlässlich seines 85. Geburtstages in Plauen zu sehen: impressionistisch aufgefasste Landschaftsmotive, für die er weithin bekannt ist, Abstraktes, Selbstbildnisse, Akte und Porträtstudien.
Zwei seiner Bilder wurden vom Freedom Museum in Washington/USA gekauft. Er stellte regelmäßig in Naples/Florida und San Franzisko/Kalifornien aus. In Venezuela, und im heimischen Vogtland ebenso. Feiler erhielt dafür den Ehrenpreis des Vogtlandes und wurde mit der Stadtplakette von Plauen dekoriert.
In einem Nebenraum im historischen Backsteinbau der Sternquell-Brauerei jedoch öffnet sich ein Blick in den Schlund der Hölle. Dort hat das Elend, die Verzweiflung, das Grauen des Zweiten Weltkrieges seinen Platz gefunden. Der 85-Jährige hat sich erst jetzt die Gespenster aus der Vergangenheit von der Seele gemalt - 66 Jahre, nachdem ihn an der Front in der Sowjetunion eine Granate an den Rand des Todes gebracht hatte.
Die Farbe auf den Leinwänden, im "schwarzen Kabinett", wie es von den Ausstellungsmachern der Plauener Veranstalteragentur Ad astra bildhaft genannt wird, ist noch feucht. Die dramatischen Szenen, die Lazarette, Fluchtwege, Konzentrationslager und Ruinenfelder, erscheinen so aktuell wie die abendlichen Fernsehnachrichten. In das Dengeln und Mähen der entfesselten Furie Krieg mischt sich dort das Stöhnen und Röcheln der Todeswunden auf den Schlachtfeldern. Entmenschte Figuren, geronnen zu schwärzlichen, gesichtslose Klumpen, bevölkern die Leinwände, im Hintergrund ein Feuersturm in Scharlachrot und Chromgelb.
"Ich musste kürzlich ins Krankenhaus. Als ich wieder zuhause war, kamen die Albträume. Alles, was ich im Krieg erlebt habe, ist wieder hochgekommen", beschreibt Feiler. Er habe nachts im Bett gebrüllt, gewinselt. "Ich sah dann im Fernsehen einen Bericht über einen jungen deutschen Soldaten, der traumatisiert aus Afghanistan zurückgekommen ist. Da dachte ich, jetzt kann auch ich malen, was ich erlebt habe." 1944, im Alter von Jahren schien sein Leben zu Ende. In der Wirbelsäule steckte ein Splitter.
Werner Finck, der schon vor dem Kriegsausbruch in Berlin ein bekannter Kabarettist war und die "Katakombe" mit begründet hatte, saß mit ihm am Funkgerät als die Granate einschlug. Finck gratulierte zum Heimatschuss, doch dass Feiler Plauen wiedersehen würde, habe keiner geglaubt. Eine Odyssee durch die Lazarette begann, sechs Mal kam er auf den Operationstisch. "Im Lazarett in Lettland erstickte ein noch jüngerer in der Nacht im Bett neben mir an seinem eigenen Blut, das sehe ich heute noch vor mir", sagt der 85-Jährige. Wie ein Besessener habe er jetzt das alles gemalt und die Gespenster aus der Vergangenheit tatsächlich bezwungen: "Die Albträume sind weg."
Service
Die Ausstellung
Die Ausstellung von Manfred Feiler ist bis 19. September im Backsteinbau der Sternquell-Brauerei in Plauen, Dobenaustraße 83, zu sehen. Besucher werden an Pforte von Mitarbeitern der Agentur Ad astra abgeholt. Geöffnet ist Samstag, 17 Uhr, Vortrag und Führung; Mittwoch, 1. September, 17 Uhr, Führung; Samstag, 4. September, 14 Uhr, Vortrag "Die Kunstschule Plauen"; Mittwoch, 8. September, 17 Uhr, Führung; Sonntag, 12. September, 17 Uhr, Rundtischgespräch mit Manfred Feiler, anschließend Führung; Mittwoch, 17 Uhr, Führung; Sonntag, 17 Uhr, Finissage. Sondertermine können vereinbart werden unter Telefon 03741 522139.
Das Buch
Zur Ausstellung ist die Broschüre "Feiler - Ein Bilder-Buch" in der Edition ad astra erschienen. ISBN 978 - 3 9813851 - 0 - 6. 15 Euro.
Von Lutz Kirchner
Erschienen am 26.08.2010
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