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Kultur & Sehenswertes

Blick in die Schönecker Unterwelt

Zum Tag des offenen Denkmals am 12. September wird Eberhard Roth Besucher in die Keller der Brauerei führen


Eberhard Roth vom Brauereimuseum Schöneck

Eberhard Roth vom Brauereimuseum Schöneck an der alten Fassabfüllanlage, die sich noch in den Kellerräumen befindet.

Schöneck. Zum Tag des offenen Denkmals am 12. September können neugierige Besucher des Schönecker Brauereimuseums einen Blick in die Unterwelt werfen. Dann wird Eberhard Roth Führungen in die Bierkeller anbieten: "Dort unten war wahrscheinlich seit fast einem halben Jahrhundert niemand mehr gewesen", ist er überzeugt.

Die Keller, in denen einst die riesigen Bierfässer gelagert wurden, befinden sich unterhalb des früheren Eiskellers. Sie wurden in den Jahren 1912/13 regelrecht in den Fels unterhalb des Alten Söll gebrochen. In gut zehn Metern Tiefe sind damals zwei Gewölbe entstanden, die im ersten Moment an eine Kathedrale erinnern - fünf Meter breit, vier Meter hoch und etwa 13 Meter lang.

Das Eis hielt die Temperatur im Keller bei etwa fünf Grad Celsius. Die Schönecker Ziegel, mit denen die Gewölbe gemauert sind, scheinen für die Ewigkeit gebrannt gewesen zu sein. Sie weisen auch nach fast 100 Jahren keine Schäden auf. Links und rechts befinden sich in den Kellern noch die eisernen Unterbauten, auf denen einst die Holzfässer lagerten. Erhalten ist sogar die Abfüllanlage, zumindest das, was nach einem halben Jahrhundert noch übrig ist.

Eberhard Roth hofft, dass zu den Führungen am 12. September wieder Gäste kommen, die die Schönecker Brauerei noch in Betrieb erlebt haben. "Die Erinnerungen der Leute helfen, so manches Detail zu klären, denn es wurde damals sehr zweckmäßig gebaut." Selbst die beiden Ahornbäume im Hof hatten ihren Sinn, denn sie spenden zusätzlich Schatten.

Das Schönecker Brauwesen ist noch nicht völlig erforscht. Um das Jahr 1500, als Plauen und Oelsnitz die Brauerei-Zentren des Vogtlandes waren, wurde beispielsweise Oelsnitzer Bier neben Greiz und Elsterberg auch nach Schöneck geliefert. 1730 schrieb der Pfarrer Marbach, dass das in Schöneck gebraute Bier so schwach wäre, dass selbst nach dessen reichlichen Genuss die Betrunkenen nur selten in der Lage gewesen seien, Unheil anzurichten. Marbach scheint darüber aber gar nicht böse gewesen zu sein.

Die Schönecker Brauerei, die heute als Museum dient, wurde ab 1840 von der Familie Korndörfer betrieben. Ab 1872 war die Stadt der Besitzer, ehe sie 1896 von Ernst Denk erworben wurde. Das Ende ist für das Jahr 1967 verbrieft.

Eberhard Roth hat bislang noch keinen Plan, was er einmal aus den Gewölben machen könnte. In den vergangenen 20 Jahren hat er gemeinsam mit seinem 2009 verstorbenen Geschäftspartner Wolfgang Müller das historische Brauhaus schrittweise zu Gaststätte und Museum ausgebaut. Und schrittweise will er den Komplex noch ergänzen.

Service

Ein Besuch der Schönecker Brauereikeller ist am 12. September ab 9 Uhr möglich.

Zeittafel

1466 erhielt die Stadt Adorf die Bewilligung für ein Rats- und Weinhaus.

Von Ostern 1515 bis Ostern 1516 wurden in Oelsnitz 8373 Eimer Bier gebraut. Ein Einer Bier entsprach etwa 65 Litern.

1517 erlebt das Vogtland zwischen Auerbach und Rodewisch den ersten handfesten Bierstreit.

1539 ist in Markneukirchen erstmals eine Ratsschenke erwähnt.

1612 nennt das Schönecker Kirchenbuch den Wirt Nicol Schöniger auf dem Hellhammer, dem späteren Klingenthal.

1626 durfte der Wohlhausener Gutsherr Wolf von Gräfendorf sein Bier in der Stadtbrauerei Markneukirchen brauen.

1657 verklagten die Stadträte von Adorf und Markneukirchen einen Bauern aus Wohlhausen, weil dieser sein Bier - statt bei ihnen - in Erlbach holte.

1670 beginnt der zu Legende gewordene Bierkrieg zwischen der Klingenthaler Herrschaft von Boxberg und der Familie Mangold in Brunndöbra, der
bis 1689 dauern sollte.

1685 richtete die Gutsherrschaft Wohlhausen im Hammerrevier Zwota ein Wirtshaus ein.

1695 wird der Zimmermann Michael Strobel als Braumeister in Schöneck erwähnt.

1710 ist auf einer Karte von Morgenröthe-Rautenkranz eine Schenke verzeichnet.

1719 wird in Klingenthal das Gasthaus "Zum roten Hirsch"
eröffnet, später als Hotel "Zum braunen Hirsch" über Jahrzehnte das erste Haus am Platz. (tm)

Von Thorald Meisel


Erschienen am 19.08.2010




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