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Kultur & Sehenswertes

Eine Flussperlmuschel für die Tasche der feinen Damen

VOGTLÄNDISCHE SCHÄTZE: Städtisches Museum Adorf


Flussperlmuschel

Aus einer Flussperlmuschel ist diese filigrane Geldbörse für Damen vor knapp 150 Jahren gefertigt. Ihren Verschluss ziert - mit königlicher Erlaubnis - das sächsische Wappen.

Adorf. Eine aus einer Flussperlmuschel gefertigte Geldbörse ist eines der faszinierendsten Zeugnisse eines ganzen Industriezweiges, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Adorf entstand. Der Buchbinder Friedrich August Schmidt hatte dort die erste Muschelschleiferei begründet, viele seiner Kunden fand er damals im mit Macht zum mondänen Kurort aufstrebenden Nachbarort Elster.

Über viele Jahre gingen Perlmutterzeugnisse aus Adorf in die ganze Welt. Vom Geschick und Ideenreichtum der obervogtländischen Kunsthandwerker zeugt heute die Sammlung des Adorfer Museums. "Wir haben Deutschlands größte museale Sammlung zu diesem Komplex", sagt Museumsleiter Steffen Dietz stolz.

Mit dem Geldtäschchen hat es noch eine besondere Bewandtnis: Den filigranen Verschluss ziert das sächsische Wappen. "Die Erlaubnis es zu verwenden hat Schmidt 1863 von König Johann erhalten", sagt Steffen Dietz. Für zwei Jahre durften Adorfer Erzeugnisse dieses Wappen tragen - was die "Souvenirs de Saxon", so die Markenbezeichnung noch gefragter machte. Die Perlenfischerei selbst gab es im Vogtland schon seit dem 15. Jahrhundert. Perlmutt wurde zum Beispiel an Klappen von Musikinstrumenten verwendet, für Raum- und Tafelschmuck oder Feuerzeuge. Heute ist die Flussperlmuschel vom Aussterben bedroht und streng geschützt.

Von Peter Janka


Erschienen am 18.02.2010