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Bücherregal verrät Liebe zu Andalusien
Jutta Kirst, Inhaberin des Plauener Piano-Salons - 67-jährige Klavierstimmerin denkt nicht an Rente
Jutta Kirst in ihrer kleinen Wohnung im Plauener Ortsteil Neundorf. Bücher liebt sie über alles. "Ich kann an keinem Buchladen vorbeigehen", sagt sie.
Plauen. "Eigentlich könnte ich meine Wohnung tagsüber vermieten", sagt Jutta Kirst ein bisschen scherzhaft. Denn zuhause in Neundorf trifft man sie nur selten an. Die Inhaberin des Pianosalons in Plauen ist stets auf Achse.
Früh morgens macht sie sich auf in ihr Geschäft in die Haydnstraße im Stadtteil Preißelpöhl. Den größten Teil des Tages geht sie ihrem Beruf als Klavierstimmerin nach. Mit großer Leidenschaft verhilft die 67-Jährige den nicht selten wertvollen Instrumenten zu einem perfekten Klang. Bis ins obere Erzgebirge fährt sie dafür, 50.000 Kilometer legt sie jedes Jahr mit dem Auto zurück.
Daneben rotiert Jutta Kirst für die Kultur. Sie veranstaltet ihre kleinen, aber feien Matinee-Konzerte im Pianosalon. Diese schätzen Kenner in der gesamten Region. Im Theaterförderverein streitet sie dafür, dass Kultur in Plauen Zukunft hat. Nicht zuletzt für dieses Engagement wurde sie 2004 mit der Plauener Stadtplakette ausgezeichnet.
Wer so eingespannt ist, sucht in der wenigen freien Zeit Muse. Jutta Kirst findet diese überraschenderweise nicht zuerst in der Musik, sondern vor allen in Büchern. Ihre Wohnung gleicht einer kleinen Bibliothek. "Ich kann an keinem Buchladen vorbeigehen", gesteht sie. Entsprechend voll ist ihre "Bücherwand". In drei Reihen stehen dort vor allem autobiografische Romane, Biografien großer Komponisten und Bildbände hintereinander. Wenn sie darin die Seiten umblättert, träumt sie sich gerne in die Ferne. Am liebsten nach Andalusien. "Das ist meine zweite Heimat", erzählt sie.
Immer wieder zieht es Jutta Kirst nach Südspanien. Sie schwärmt von Salzseen, in denen Flamingos rasten, von der unberührten Natur des Hinterlandes der Küste, weißen Dörfern und natürlich den kulturellen Perlen dieser Region. In ihrem Pianosalon stehen Bilder von der Alhambra in Granada und der berühmten Mezquita von Cordoba, eine ehemalige Moschee. Diese großen touristischen Anziehungspunkte hat sie sich längst angeschaut. "Jetzt gehe ich in die Tiefe und besuche Landstriche, wo sich nur wenige Touristen hin verirren", sagt Jutta Kirst.
Von diesen Reisen finden sich auch in ihren vier Wänden viele Erinnerungen. Von einem Abstecher über die Straße nach Gibraltar nach Marokko hat sie beispielsweise eine Vase mitgebracht, die mit Silberblech gearbeitet wurde.
Jutta Kirst mag es aber auch gern richtig bodenständig. Zuhause hat sie eine Sammlung von Räuchermännchen, im Pianosalon stehen Räucherhäuschen. "Geräuchert wird bei mir in der Weihnachtszeit immer", plaudert sie. Eine weitere Leidenschaft von Jutta Kirst sind "Schwamme". Im Spätsommer zieht es sie hinaus in die Wälder des Vogtlands. Nicht allein um Pilze zu suchen. "Die Natur kann unheimlich viel Kraft spenden", weiß die rüstige Frau.
Diese Kraft braucht sie auch. Denn obwohl sie mittlerweile im Rentenalter ist, denkt sie nicht ans Aufhören. Sie liebt die Arbeit. Seit 1965 ist Jutta Kirst selbstständig, seit 1992 hat sie ein Geschäft. Höhen und Tiefen hat sie gemeistert und sich durchgebissen. Man merkt ihr an, dass sie über eine starke innere Kraft verfügt. Selbstbewusst tritt sie auf. Ihr Motto: "Wenn man will, kann man Berge versetzen", sagt sie - und lebt es. (mit sher)
Von Tino Beyer
Erschienen am 12.08.2010
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