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Kleiner Schrein erinnert an Kultur der Heimat

ZUHAUSE BEI: Nguyen Manh Dat und seiner Familie - Vorsitzender des Vietnamesischen Vereins Vogtland freut sich aufs heutige Tet-Fest


Vietnamesisches Ehepaar

Vietnamesisches Ehepaar freut sich vor dem heimischen Schrein aufs Tet-Fest: Vu Viet Anh im festlichen Kleid und Nguyen Manh Dat. Gemeinsam mit 300 Landsleuten aus dem Vogtland feiern sie heute in der Plauener Gaststätte "Treffer" das wichtigste vietnamesische Fest.

Plauen. Wer wie Nguyen Manh Dat fast die Hälfte seines Lebens im Vogtland verbracht hat, der fühlt sich in der Region längst zuhause. Seit 1988 lebt der 46-Jährige hier, anfangs zwei Jahre in Elsterberg, seitdem in Plauen. Das Vogtland hat auch in seiner Wohnung Spuren hinterlassen. In der Gläservitrine im Wohnzimmer stehen "Wernesgrüner" Biergläser.

Der Tee, den seine Frau Vu Viet Anh Gästen serviert, wird auch schon mal aus einem Oelsnitzer "Sperkentipfel" getrunken. Ein Stück asiatische Kultur in den eigenen vier Wänden hat sich die Familie mit ihren zwei Töchtern (10 und 15 Jahre) aber dennoch erhalten. Das Wichtigste ist ein kleiner Schrein, der im Wohnzimmer wie ein Regal an der Wand befestigt ist. "Auch wenn ich keinen Glauben habe, ist dieser Schrein wichtig, um unseren Kindern etwas von unserer Tradition mitzugeben", betont Nguyen Manh Dat. Er schätzt, dass jede vietnamesische Familie auch in der Fremde einen kleinen Schrein besitzt. Zum Tet-Fest wird dieser besonders herausgeputzt. "Schon als Kind musste ich das immer machen", erzählt er.

Bunt sieht er aus, der Schrein. Im Zentrum hängt das Bild einer buddhistischen Gottheit, rechts davon steht das Bild des verstorbenen Vaters. Die Ahnen haben bei Asiaten einen hohen Stellenwert. Daneben Porzellangefäße mit Räucherstäbchen, die zum Tet-Fest angezündet werden. Ebenfalls fürs das Fest von Bedeutung: Ein Klebreiskuchen - vergleichbar mit deutschen Weihnachtsstollen.

Auch Früchte und drei Tässchen mit "neuem" Wasser gehören auf den Schrein. Jedes einzelne Element steckt voller Symbolik. Symbolisch ist auch jener Brauch, von dem eine kleine Feuerschale auf dem Balkon kündet. Tage vor dem Fest wird dem Jadekaiser ein Opfer gebracht und Geld verbrannt - freilich kein echtes. "Es geht um die Zeremonie", macht Ehefrau Vu Viet Anh deutlich.

In der Wohnung der vietnamesischen Familie stechen Besuchern viele großformatige Bilder in hochwertigen Rahmen ins Auge. Im Flur hängen Stillleben, über dem blauen Ledersofa im Wohnzimmer zwei große Fotografien mit Projekten des Verpackungskünstlers Christo. Man meint, die chinesische Mauer sei verhüllt. Das Bild stammt aber aus den USA, klärt der Hausherr auf. Ihm gefalle es einfach.

Auffällig ist ein weiteres Bild mit einem chinesischen Schriftzeichen an der gegenüberliebenden Wand. Es steht für Glück. Schwarze Schrift auf rotem Grund und ein goldener Rahmen machen es zu einem Blickfang im Wohnzimmer. Er ist das Gesellenstück von Nguyen Manh Dat. Das Handwerk des Bilderrahmenbaus erlernte der einstige Textilarbeiter nach der Wende in München.

Etliche Jahre konnte er es beruflich ausüben. Als sein Plauener Arbeitgeber voriges Jahr aufgab, verlor auch er seinen Job. Fast ein Jahr suchte er vergeblich nach einer neuen Anstellung, jetzt nahm er sein Schicksal selbst in die Hand. Vor zwei Wochen eröffnete er in Oelsnitz ein Bistro. "Auch wenn es um das Handwerk schade ist: Ich musste jetzt etwas unternehmen."

Von Tino Beyer


Erschienen am 18.02.2010