Unterkunft suchen





Gastgeber

Sie möchten mit Ihrer Unterkunft in das Gastgeberverzeichnis von vogtland.de?

Hier geht's zur Anmeldung

Das aktuelle Wetter vor Ort

Plauen
Fr

2 °C
Sa

2 °C
So

4 °C
Mo

3 °C
Di

  °C
Klingenthal
Fr

0 °C
Sa

0 °C
So

1 °C
Mo

1 °C
Di

  °C
weitere Orte

Land & Leute

Kunstbetrachtung beim Kunstbetrachter

Wolfgang Rudloff in Plauen - Fundus birgt 100.000 Dias - Arbeiten von Familienangehörigen - Spaziergänge in die Umgebung


Im Wohnzimmer bei Vortragskünstler Wolfgang Rudloff

Wolfgang Rudloff, im Foto mit Gattin Ingrid und Sissi, vermittelt als Vortragskünstler Einblicke in die Kunst alter und neuer Meister, präsentiert Städte und Länder mit deren Museen und Bauwerken, stellt einheimische und ausländische bildende Künstler und deren Werke vor. Sein Zuhause in Plauen offenbart die Spitze eines Eisbergs an Eindrücken von Kunst.

Plauen. Klingeln an einer Tür, hinter der kein Komponist, kein Maler und auch kein Dichter wohnt. Wohl aber ein Botschafter dessen, was uns Komponisten, Maler und Dichter ans Herz legen wollen. Ungestümes Hundegebell. Sissi, ein English-Setter, beansprucht die ungeteilte Aufmerksamkeit. So bleiben die Kunstwerke an Flurwänden zwangsläufig unbeachtet.

Erst auf dem Sofa sitzend, Sissi liegt friedlich zu Füßen, vermag der Gast die Kunstwerke in den durch eine Schiebetür getrennten beiden Wohnstuben ins Visier zu nehmen: Vieles ist familiären Ursprungs und besonders wichtig für den Hausherrn und Gattin Ingrid: Beispielsweise das Öl-Gemälde einer Bach-Landschaft von Sohn Andreas, von Schwiegertochter Anke zu Häusern bemalte Holzkloben, von Enkel Valentin (9) gezeichnete märchenhaft phantasievolle Schlösser. Hinzu kommen Keramiken, Lithografien, Buchillustrationen namhafter und auch weniger bekannter Künstler.

Bleibt da noch Erholungsfläche für das Auge? Ja, denn das hat sich die Frau des Hauses ausbedungen, als die Rudloffs vor sieben Jahren vom Sternplatz praktisch um die Ecke umgezogen sind. Aus 60 Qua- dratmetern wurden 102, aus drei Räumen sieben. Das brachte Zuwachs an Bücherregalen und Wandfläche.

Aber auch die komfortable Kapazität ist inzwischen aufgebraucht. Der größte Schatz freilich schlummert unsichtbar für den Gast in Schubladen: Rund 100.000 Dias aus vieler Herren Länder. Das ist der wohlsortierte Fundus, aus dem der Kunstbetrachter, Kunsthistoriker, Kunstkritiker und Laudator seine öffentlichen Auftritte bestreitet. Und zu allem Gerahmten gehört je eine Geschichte.

Wer die Rudloffs besucht und keine Zeit mitbringt, sollte besser gleich Zuhause bleiben. Manchmal bevölkern 18 Leute, Freunde und Bekannte, die gute Stube. Dann ist das Haus rappelvoll und die Schiebetür hat einen Tag der offenen Tür.

Das andere Extrem: Die Rudloffs in trauter Zweisamkeit. Auch ohne Sissi, denn diese gelegentliche Besucherin gehört ins Haus der Familie des in Adorf lebenden Sohnes. Ist jetzt Zeit zum Fernsehen für die Rudloffs? Auf dem Bildschirm tauchen im Haus der vielen statischen Bilder eher selten bewegte TV-Bilder auf. "Wir gucken schon, aber nie wahllos", verrät Frau Ingrid. Arte, der Kulturkanal, ist erste Wahl.

Je trostloser das TV-Programm, desto mehr Zeit bleibt für Lesen und Schreiben. Auch die jüngsten guten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel kamen von den Rudloffs nicht modernistisch per Mail oder Handy, sondern handgeschrieben auf künstlerisch geschmackvoll gestalteten Karten.

Apropos Geschmack. Der Besucher-Kaffee ist ausgeschlürft. Im Bodensatz lässt sich ganz ohne Hellseherei ablesen: Nicht nur in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah! Darunter verstehen Ingrid und Wolfgang Rudloff Spaziergänge durchs nahe Syratal und ins Plauener Stadtzentrum. Beides ist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.

43 Jahre lang Kunstbetrachter. Nonstop zwei Veranstaltungen pro Monat. Heilen mit Kunst und Kultur. Warum tut das der Mann? "Vielleicht habe ich es von meinem Vater geerbt, dass mir die Menschen nicht egal sind." Der alte Herr war viele Jahre Allgemeinmediziner, Chefarzt Erich Rudloff im Landambulatorium Weischlitz. Dieses VorBild trägt der Sohn im Herzen.

Von Georg Bachmann


Erschienen am 04.02.2010