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Mit Karl May durch die ganze Welt gereist
66-Jährige sammelt Bücher des Abenteuerschriftstellers

Gisela Weller aus Klingenthal hat nicht nur 63 Bände einer Karl-May-Edition gesammelt. Die 66-Jährige hat sie auch alle gelesen. Die Begeisterung für Abenteuerromane, wie sie auch der Feder des Hohenstein-Ernstthalers entsprungen sind, hat ihr Bruder einst geweckt.
Klingenthal. Es gibt nicht viele Leute, denen man wenigstens in einer Hinsicht bescheinigen kann, dass sie fast vollkommen sind. Gisela Weller aus Klingenthal gehört zweifelsohne dazu. Die 66-jährige Bücherfreundin hat 63 Bände von Karl May gesammelt. Jene Bände einer optisch und haptisch anspruchsvollen Edition, die noch zu DDR-Zeiten der Berliner Verlag Neues Leben herauszugeben begann. Alles begann 1982 mit "Winnetou I".
Bis zur Wende erschienen 13 Bände, bis zum Ende des Verlages im Jahre 2001 wuchs die Reihe auf 66 Bände an. Gisela Weller fehlen also nur noch drei an ihrer Karl-May-Vollkommenheit. "Mal sehen", sagt sie, "vielleicht bringe ich die auch noch zusammen. Schön wäre es ja." Nur wer in der DDR aufwuchs und ein Bücherwurm war, wird sich erinnern, wie schwierig es damals war, an Werke von bestimmten Autoren der Weltliteratur heranzukommen.
Hermann Hesse, Stefan Zweig, Sigmund Freud, Max Frisch, Heinrich Böll, Franz Kafka, James Joyce, Norman Mailer oder Günther Grass gehörten zur begehrten Bückware. Und eben auch Karl May. Trotz der hohen Auflage von 250.000 Exemplare waren die dunkelgrünen Hardcover-Bände nach Erscheinen meist sofort vergriffen.
"Wann ich mit dem Sammeln angefangen habe, weiß ich nicht mehr genau. Auf jeden Fall bin ich durch meinen Bruder dazu gekommen. Der ist vier Jahre älter und hat sich für Indianer-Bücher interessiert, und ich wollte sie erstmal nur lesen. Auch die Geschichten von Liselotte Welskopf-Henrich, 'Die Söhne der Großen Bärin' und so weiter. Mich hat dieses Thema fasziniert."
Weil nicht nur Gisela Wellers Mann von ihrem Hobby wusste, kam Jahr für Jahr ein neuer Karl-May-Band hinzu. Beziehungen schadeten schließlich nur dem, der sie nicht hatte. Gisela Weller ist stolz auf ihre außergewöhnliche Sammlung, weil sie das Resultat jahrelanger und emsiger Mühe ist. Von "Winnetou", "Der Schatz im Silbersee", "Der Ölprinz" über "Der Fürst der Bleichgesichter", "Der Engel der Verbannten", "Ardistan und Dschinnistan" bis hin zu "Die Tochter des Granden", "Am Stillen Ozean" oder "Der blaurote Methusalem" - sie hat jeden Band gelesen und braucht die grünen Bücher keinesfalls, um damit gleich doppelreihig die Schrankwand zu dekorieren.
"Wenn man sich vorstellt, wie fesselnd und interessant Karl May über die Indianer und den Wilden Westen geschrieben hat, genauso wie über den Orient, dann kann man gar nicht glauben, dass er niemals selbst dort gewesen ist. Eine Fantasie hatte er! Damit hat er auch mich gefesselt. Aber nicht nur mit diesen Indianer-Geschichten, er hat einem auch andere Länder näher gebracht." Von Klingenthal hinaus in die Welt - möglich war dies einst dank Karl May.
Nach der Wende hat es sich Gisela Weller natürlich nicht nehmen lassen, auch nach Bad Segeberg zu fahren, um die Karl-May-Festspiele zu erleben mit einem vertrauten Gesicht auf der Bühne im Winnetou-Kostüm: Gojko Mitic. Stellt sich die Frage: Welches sind denn nun jene drei Bände, die Gisela Weller noch fehlen? Bisher wusste sie es selbst nicht, jetzt hat sie eine Auflistung, an der die Klingenthalerin sich orientieren kann.
Von Eckhard Sommer
Erschienen am 29.12.2009
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